Ein Dreh-Reisetagebuch

Autor: LD5277 (Seite 3 von 4)

17. Tag

DREHTAG 16

4. November 2006 (Kasachstan)
Qostanai – Astana – 720 km | 3. Etappe
Gesamtkilometer: 9.000 km

Nach einer Nacht in diesem komischen Hotel brauchen wir alle dringend wieder ein richtig schönes Hotel. Aber das kommt ja heute Abend. Zuerst entschließe ich mich aber das Frühstück mal sein zu lassen und dafür eine halbe Stunde länger zu schlafen. Mit meinen Koffern und Kisten und Kameras bepackt mache ich mich auf die Odyssee zurück in die Lobby. Dort angekommen treffe ich auf Alecs der die gleiche Idee hatte: Frühstück überspringen und länger schlafen. Wir beladen dann zusammen das Auto und gehen zum Lunch-Box-Buffet um für den kommenden Tag was einzupacken.

Selbstverständlich drehen wir die Abfahrt. Es ist noch dunkel und knapp 700 km liegen vor uns. Zuerst setzt sich Alecs ans Lenkrad um ein wenig zu fahren während es noch dunkel ist und es nichts zu drehen gibt, doch das währt nicht lange. Die Sonne geht auf und wir drehen sie während unsere E-Klasse mit Dave vorbeifährt. Die Landschaft hat sich wieder verändert. Es wird immer „steppiger“. Die Weizenfelder sind verschwunden. Die wenigen restlichen Bäume auch. Nur noch weite Steppe. So weit das Auge reicht. Die Straße führt bis zum Horizont geradeaus und das Land ist sehr flach. Immer wieder sehen wir sogenannte Fotospots. Wir halten immer wieder an und drehen vorbeifahrende E-Klassen an diesen Orten. Doch die meiste Zeit fahren wir einfach durch endlose Steppe.
Laut Roadbook müssten hier immer wieder Baustellen sein bei denen wir von der Straße müssen und auf einer parallelen Steinpiste fahren müssten. Wir haben Glück. Die Baustellen gibt es nicht mehr. Bis auf die Letzte. 15 km Stein und Buckelpiste. Fast wie damals in Indonesien. Wir fahren mit fast 70 Sachen drüber weil wir die letzten Fahrzeuge wieder einholen müssen um noch ein paar Bilder zu machen.

Bei der letzten Polizeistation werden wir wieder wie am Vortag angehalten. Es gibt mal wieder Eskorte bis in die Stadt. Alecs und ich fahren mit Karacho voraus und filmen wie alle mit Eskorte ankommen.

Das wars für Heute. Mehr gab es leider nicht zu erzählen. 🙂

(Inzwischen heißt die Stadt Nur-Sultan. Stand März 2019)

Route – Qostanai – Astana

18. Tag

DREHTAG 17

5. November 2006 (Kasachstan)
Astana – Balqasch   600 km | 3. Etappe
Gesamtkilometer: 9.600 km

An diesem Morgen ist eine Kolonnenfahrt mit allen E-Klassen durch Kasachstans neue Hauptstadt Astana geplant. Um zehn Uhr geht es los. Hinten und Vorne von Polizei eskortiert fahren alle Wagen vom Hotel aus los. Alle Ampeln der Stadt sind ausgeschaltet beziehungsweise blinken orange. An jeder Kreuzung steht Polizei, damit die Kolonne zusammen bleibt und durch die Stadt fahren kann. Das ganze ist sehr beeindruckend, wenn 36 E-Klasse Modelle sich wie ein riesiger Drache durch den Verkehr schlängeln. Die Hauptstadt ist bombastisch. Wahnsinn, was die hier in den letzten 10 Jahren, seit der Ernennung zur Hauptstadt, gemacht haben. Anscheinend war sie vorher ein kleines Provinznest und jetzt Spielplatz großer Architekten wie z.B. Sir Norman Foster. Fantastische Bauwerke wurden hier erbaut und werden es immer noch. Ein gewaltiger Kontrast zu der Hungersteppe die wir am vorigen Tag durchfahren haben und bis zum nächsten Etappenort durchfahren werden. Eine Stunde lang fahren wir so durch die Stadt bis wir wieder draußen sind. Selbstverständlich waren am Anfang des ganzen Trosses Fotografen auf einer der G-Klassen geschnallt um davon Bilder zu machen. Ich habe eines aus dem Pressedownload der Tour unten angefügt.

Aus der Stadt raus fängt das Überholen an. Jeder fährt mit seinem Tempo und manche haben es eiliger als andere 😉
Die neuen Journalisten die bei Dave im Auto sitzen haben es besonders eilig. Kaum sind sie aus der Stadt sehen wir sie bis zum Abend nicht mehr. Obwohl wir dann mit bis zu 130 km/h auf der Landstraße dahin reiten.

Die Steppe wird immer karger. Bäume und Sträucher gibt es gar keine mehr. Links und rechts der Straße gibt es immer wieder wenige Hügel doch sonst ist alles braun und flach. Wir treffen auf das erste Kamel der Fahrt. Natürlich halten alle an. Machen Fotos 😉

Die Menschen haben nun ein vorwiegend mongolischen Gesichtszug. europäische Gesichter sieht man nur noch ganz selten. Die Architektur indes hat sich kaum geändert. Es sind immer noch die Holzhäuser links und rechts der Straße.
Immer wieder fahren wir durch „Industrie“-Städte durch. Man sieht sie schon von sehr weitem kommen. Die Luft wird bräunlich-neblig und stinkt. Die Fabriken blasen keinen weißen Rauch aus den Schornsteinen wie bei uns, sonder dunkelbraunen Dreck, der zum Teil die Sonne leicht verdunkelt. Hier möchte man wahrlich nicht leben müssen. Wir sind froh an diesen Städten so schnell wie möglich vorbei zu kommen und wieder in die Steppe zu gelangen.

Am Abend kommen wir endlich in Balqasch an. Berühmt berüchtigte Kupferstadt am Balchaschsee, was die Hotelsituation betrifft. Aus Erzählungen von Alecs und David, die die Vorreise gemacht haben, bekommen wir hier die schlimmsten Hotels. Nicht die Sorte wo man sagt, „ha ja, die sind jetzt Luxus gewöhnt und nörgeln rum“. Nein. Die Sorte, in der man am liebsten in kompletter Montur ins Bett geht und hofft keinen einzigen Kontakt mit dem Bett zu haben und nur das nötigste im Bad verrichtet. Die Teilnehmer werden deswegen bei Gastfamilien untergebracht, weil es erstens gar nicht genug Hotelzimmer gibt und zweitens die Teilnehmer die kasachische Gastfreundschaft kennenlernen sollen. Doch vorher gibt es einen großen Empfang in der Stadthalle.

Als Alecs und ich ankommen sind die meisten E-Klassen schon da. Eine riesige Menschenmenge hat sich auf dem Vorplatz, auf dem die Autos parken, angesammelt und begrüßt herzlich jeden Neuankömmling. Jede Menge Kinder kommen an unsere Fenster gestürmt und wollen Autogramme auf Postkarten, die das Motiv der Tour haben. Wir fühlen uns wie Fußballstars und kommen mit den Unterschriften gar nicht mehr nach, so viele Kinder kommen da an. Wir fangen an auch die Aufkleber zu verteilen die wir von der Tour haben. Die werden der Brüller. Selbstverständlich wollen dann alle so einen Aufkleber 🙂 Innerhalb von zwei Minuten sind alle Aufkleber die wir hatten weg! Nun heißt es aber wieder ran an die Arbeit. Dave möchte noch ein Paar Interviews machen. Außerdem müssen wir noch den offiziellen Empfang durch den Bürgermeister in der Stadthalle drehen. Als ich zwischendurch mal raus muss um ein Band zu holen werde ich von weiteren jugendlich aufgehalten, die unbedingt ein Foto mit ihren Fotohandys mit mir machen wollen. Wir sind hier wirklich die Attraktion Nr. 1 an dem Tag. Nach drei vier Fotos muss ich wieder weg. Arbeit ruft!

In der Großen Halle mit Kronleuchtern sind alle Gastfamilien und Teilnehmer versammelt. Nach dem der Bürgermeister seine Willkommensrede gehalten hat und Florian Urbitsch, Projektleiter der E-Class-Experience, sich bei ihm im Namen Aller und Mercedes Benz bedankt hat, werden die Gastfamilien und die bei ihnen übernachtenden Teilnehmer miteinander bekannt gemacht und haben anschließend gemeinsam Abendessen.

Für uns heißt es dann ab ins Hotel. Nun müssen wir der Wahrheit ins Gesicht schauen. Es ist dann doch nicht so schlimm. Zugegeben, das Bad will ich wirklich nicht betreten außer um die Toilette zu benutzen. Aber der Rest ist, sagen wir mal, außerordentlich rustikal, aber man kann drin schlafen. Es ist aber auch nicht das Hotel, in dem Alecs und David damals waren. 😉

Soweit für den 18. Tag! Wir werden sehen was der nächste bringt.

Route Astana – Balqasch

19. Tag

DREHTAG 18

6. November 2006 (Kasachstan)
Balqasch – Almaty   660 km | 3. Etappe
Gesamtkilometer: 10.260 km

Diese Nacht habe ich nicht wirklich gut geschlafen. Das Bett wippte bei jeder Bewegung von einem Bein auf das andere. Wobei ich dann jedes mal kurz wach wurde. Im Gegensatz zu Alecs, der, wie er selber sagt wie ein Stein geschlafen hat. Das ist doch sonst mein Spruch!

Frühstück gibt es dann wieder mit allen zusammen in der Stadthalle. Danach mussten wir den Kofferraum für Drehaufnahmen vorbereiten. Oleg, der Ukrainische Kameramann vom Journalistenteam, das wir bei uns hatten wollte mit seiner Panasonic HVX200 HD-Kamera aus dem Kofferraum filmen. Zuerst ging es aber dann zum Balchaschsee um mit allen Autos ein Gruppenfoto zu machen. Wie eine Invasionsarmee fuhren wir alle quer durch ein kleines Dorf zu den Klippen. Was die Einwohner wohl gedacht haben müssen.

Als der ganze Fotografierspuk vorüber war konnten wir unsere Aufnahmen aus dem Kofferraum machen. Mit 130 km/h über die Straße fegen und die E-Klasse, gefahren von dem Sportjournalisten, in 50cm Abstand vom Heck! Eine Fehlbremsung und wir sind alle dran. Aber selbstverständlich läuft alles gut und sie haben ihre Aufnahme im Kasten. Danach düsen sie wieder dahin und wir sehen sie erst am Abend wieder.

Alecs und ich machen wieder unser normales Tagesprogramm. So viele Autos wie möglich überholen. Ein schönes Plätzchen suchen und filmen wie sie wieder an uns vorbeifahren. Und das ganze wieder von vorn.

Die Landschaft wird immer karger. Es sind jetzt mehr Gesteinsbrocken zu sehen und die Gegend wird immer bergiger und hügeliger. Vegetation gibt es kaum noch welche. Es wird mehr zu einer Steinwüste. Wir fahren den ganzen Tag quasi nur geradeaus, mit ein paar Ausnahmen als wir Anfangs um den Balkhashsee fahren 😉 Irgendwann, im letzten Drittel der Strecke, durchbrechen wir die 10.000 km Marke.

Auf den letzten 100 km verändert sich die Vegetation schlagartig. Zuerst tauchen immer wieder grüne Büschel im Wüstenboden auf. Dann gibt es wieder ein paar Sträucher und ohne Ankündigung gibt es wieder Bäume die gelbes Laub tragen, große grüne Weideflächen und die Temperatur steigt von 11°C auf 19°C und es regnet immer mal wieder. Nach einer weile sieht es aus als wäre man in Norditalien. Zypressen und Laubbäume wo man hinsieht. Plötzlich tauchen majestätische Berge vor uns auf. Schneebedeckt. Wenn ich es nicht besser wüsste, und die Bevölkerung eindeutig chinesisch aussehen würde, könnte man glauben tatsächlich in den italienischen Voralpen zu sein.

Der Verkehr in der ehemaligen Hauptstadt Almaty, die an den Berghängen liegt ist mal wieder furchtbar. Er ist auch langsam so chaotisch wie ich es aus Afrika oder Indonesien kenne. Jeder fährt ein bisschen wie er will.
Endlich am Hotel angekommen wird unser Fahrzeug vor der Einfahrt auf den Hotelparkplatz mit Bodenspiegeln nach Sprengsätzen am Fahrzeugboden durchsucht und wir müssen uns am Hoteleingang mit dem Equipment durch einen Metalldetektor zwängen. Das hatte ich auch noch nie. Aber wir wohnen ja auch in einem der nobelsten Hotels der Stadt. Interkontinental!

Nachdem wir noch ein paar O-Töne gemacht haben können wir endlich unseren Feierabend genießen. Buffet-essen. Als Vorspeise gibt es Sushi 😉 Danach Lamm und zum Nachtisch jede Menge süßer Leckereien. Hmmmm…

Es scheint so, dass wir morgen tatsächlich ein freien Tag bekämen. Mal schauen was daraus wird.

Route Balqasch – Almaty

20. Tag

RUHETAG

7. November 2006 (Kasachstan)
Almaty
Gesamtkilometer: 10.260 km

Heute hatte ich einen wunderbar erholsamen freien Tag. Nichts drehen, fahren oder sonst was. Ich habe den ganzen Tag nichts getan. Am Abend haben wir uns dann noch mit Dave zum Abendessen verabredet. Abschied nehmen. Er bleibt in Almaty während wir mit Thomas weiterfahren. Wir machen noch ein gemeinsames Foto und verabschieden uns dann.

21. Tag

DREHTAG 19

8. November 2006 (Kasachstan, China)
Almaty – Yining (Gulja)   490 km | 4. Etappe
Gesamtkilometer: 10.750 km

Thomas ist gestern Abend um Mitternacht aus New York angekommen.
An diesem Morgen läuft alles ein bisschen anders. Die Kameramänner tauschen die Assistenten! Christian, der normalerweise mit Jens unterwegs ist, steigt in den gemieteten Hubschrauber. Heute gibt es Flugaufnahmen! Raphael, der normalerweise mit David den Kran bedient steigt zu Jens. Alecs steigt bei David ein um den Kran zu bedienen. Das will er schon die ganze Reise lang mal machen. Ich bleibe in meinem Jeep und helfe hier und da aus, bleibe aber auf jeden Fall bei Alecs und David. Wir fahren erst mal Richtung unseres heutigen Drehtages. Ein Canyon am Rande des Tian Shan Gebirges. Dort sollen auch die Heli-Aufnahmen gemacht werden. Dort angekommen positionieren wir uns alle und drehen sobald die Autos ankommen. Heute ist ein Tag der filmisch gesehen richtig Spaß macht. Der erste an dem man sich ein wenig austoben kann. Sogar ich komme noch dazu eine Einstellung zu drehen.

Nachdem die Canyon-Geschichte weitestgehend abgefrühstückt ist, drängt Berit, unsere Reisemanagerin endlich an die chinesische Grenze zu fahren. Heute reisen wir in das Land der aufgehenden Sonne! Eine lange Prozedur erwartet uns. Nach weiteren 200 km kommen wir an der Grenze an. Die erste Gruppe von Fahrzeugen ist schon rein gefahren. Die zweite Gruppe wartet darauf vollständig zu sein. Da die Autos ja Nummern haben werden der Einfachheit halber die Gruppen so gebildet, das die Wagen mit aufeinanderfolgenden Nummern zusammen sind. Die Technik und Filmcrews sind somit die letzte Gruppe. Wir warten fast eineinhalb Stunden bis wir dran sind.

Zuerst geht es mit Polizeieskorte im Konvoi zum „aus checken“ an der Kasachischen Grenze. Dann geht es zu den Chinesen. Dort fahren erst mal alle durch eine Art Waschstraße. Desinfektionsmittel vielleicht? Wir wissen es nicht genau. Dann werden uns allen die Pässe von zum Teil sehr gut deutsch sprechenden „Helfern“ abgenommen. Diese Helfer sind dazu da uns durch die Formalitäten der Grenze zu begleiten. Alles ist minutiös vorbereitet. Dann erhalten wir chinesische Nummernschilder und Wagenpapiere. Jeder bekommt auch einen chinesischen Führerschein. Leider ist meiner nicht richtig! Das falsche Bild ist zu sehen 🙁 Es wird sich wohl darum gekümmert versichert man mir. Nachdem wir unsere Pässe wieder zurückbekommen, durch eine Wagenkontrolle sind und wieder von der Polizei aus dem Grenzgelände eskortiert worden sind ist der Spuk vorbei. Die Zeit muss noch umgestellt werden. Wir verlieren wieder zwei Stunden! An einem großen Platz, auf dem der Tanklaster sich aufgebaut hat und die Jungs von Aral uns wieder betanken, haben die Chinesen eine große Willkommensfeier veranstaltet. Leider bekommen wir nichts mit weil wir zu spät über die Grenze sind und weil wir schon wieder in einem Platten haben und wir den Reifen gleich von den Michelin-Jungs auswechseln lassen müssen.

Wir fahren also Richtung Hotel. Es liegen noch 100 km vor uns. Zuerst sind wir völlig alleine. Doch irgendwann stoßen wir auf ein paar Fahrzeuge von uns die vorneweg fahren. Es werden immer mehr die vor uns auftauchen und langsam fahren. Das höchste der Gefühle ist ab und zu mal 70 km/h. Als wir merken, dass an jeder Straßenabzweigung Polizei steht und salutiert, und ganz weit vorne auch Polizeiautos vorne wegfahren, wird uns alles klar. Wir haben den Hauptkonvoi aller 70 Fahrzeuge eingeholt. Wir werden alle zusammen höchstpersönlich die 100 km bis ins Hotel eskortiert. Das ja keiner woanders hinfährt!

Als wir im Hotel ankommen ist es Mitternacht, Ortszeit. Dann geht es mit allen gemeinsam zum Abendessen. Endlich! Seit dem kleinen Lunchpaket mittags hatte keiner von uns was zwischen die Kiemen gekriegt. Es gibt mal wieder Essen vom Buffet. Eine Mischung zwischen schlechter westlicher und asiatischer Küche. Richtig gut ist nur die kleine Auswahl an Sushi!

Als Alecs und ich nach dem Essen das Auto ausladen, bemerke ich, dass meine Spiegelreflex-Kamera, die ich heute zum ersten Mal im Einsatz hatte, offen ist. Der hintere Deckel ist aufgesprungen und lässt sich nicht mehr schließen. Irgendetwas ist kaputt. Der Film ist wahrscheinlich dem Tageslicht ausgesetzt worden. Im Halbdunkeln des Parkplatzes versuche ich raus zu finden was das Problem ist. Ich krieg es nicht raus. Ich bin nach dem anstrengenden Tag und dieser Enttäuschung den Tränen nahe!!! Jetzt erst mal das Gepäck komplett raus und aufs Zimmer gehen. Ich bin total geknickt

Während der extrem holprigen Fahrt in dem Canyon muss die Kamera aufgerissen worden sein oder so ähnlich. Im Licht des Hotelzimmers sehe ich, dass eine Plastiknase im Gehäuse selbst kaputt ist. Ich lege einen neuen Film ein, verschließe das Ganze mit Lassoband lichtdicht und weiter geht’s. Ich kann wieder fotografieren. Toll ist es nicht aber es funktioniert. Ich werde sie erst in Deutschland reparieren lassen können, wenn das überhaupt reparabel ist. 🙁

Inzwischen ist es 2 Uhr Morgens, 8 Uhr ist Abfahrt und ich falle total erschöpft ins Bett…..

Route Almaty – Yining (Gulja)

22. Tag

DREHTAG 20

9. November 2006 (China)
Yining (Gulja) – Ürümqi (Urumtschi)  720 km | 4. Etappe
Gesamtkilometer: 11.420 k
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Nach einer recht kurzen Nacht, einem noch kürzeren Frühstück beladen wir wieder das Auto. Nach Würstchen und Sushi war mir heute morgen wirklich nicht, daher esse ich nur zwei Scheiben Brot mit Marmelade. Wir drehen wieder die Abfahrt einiger Autos und folgen ihnen auf den Weg zum Tian Shan Gebirge. Wieder von der Polizei eskortiert fahren wir in Kolonne zum Ebinur-See. Dem zweitgrößten Bergsee der Welt in einer von Schneebedeckten alpinen Umgebung. Hier drehen wir wieder ein paar Einstellung mit den Autos.

Als wir weiterfahren entdecken wir ein paar Kilometer weiter Fischer auf dem See. Wir halten an und drehen auch diese. Auf der anderen Seite des Passes ist das komplette vor uns liegende Dsungarische Becken in Wolken gehüllt. Es sieht aus als würden wir in ein Wolkenmeer fahren.

Leider entspricht das der Wahrheit. Als wir wieder vom Berg runter sind bleibt es die restlichen 400 km bis nach Ürümqi (zu deutsch Urumtschi) neblig, wolkig und smoggig . Die Fahrt ist sehr langweilig. Autobahn mit türkisgrünen Leitplanken und immer wieder Mautstellen. Ansonsten nur Nebel und Autobahn. Alecs und ich vertreiben uns die Zeit mit Übersetzungen von Jaques Brel Liedtexten ins Deutsche.

Endlich angekommen wird es wieder ein wenig stressig. Thomas ist vor uns da gewesen. Kein Wunder mit einer E-Klasse 😉 120 km/h Höchstgeschwindigkeit, hält die wenigsten auf 🙂 Auf jeden Fall ist ein berühmter chinesischer Pianist in der Mercedes Niederlassung als Gast zugegen und wir sollen ein Interview mit ihm führen. (Inzwischen weiß ich dass es Lang Lang war, Anm. 2019) Nachdem der ganze Trubel vorüber ist, gehe ich mit der G-Klasse zu unseren Aral-Jungs tanken 🙂 Sie haben die Tankstation auf dem Geländer der Niederlassung aufgebaut. Unsere Nordish by Nature-Jungs sind immer gut drauf und es ist eine Freude jeden Abend bei ihnen tanken zu gehen.

Danach fahren wir eine halbe Stunde quer durch die Stadt zum Hotel. Die Chinesen fahren wie die Henker! Nach einer wohltuenden Dusche bringe ich die Bänder zu Felix und Goetz in den Schnitt und gehe zum Dinner im Nachbargebäude. Die Anderen sind schon da. Zu meiner Begeisterung gibt es unter anderem Dim Sum und die Haut der Pekingente mit Crepes und Soße. Diejenigen, die schon mal Pekingente in Frankreich gegessen haben (Straßburg 😉 ) wissen wovon ich rede. Hmmmmmm, lecker. Inzwischen ist es auch schon wieder kurz vor Mitternacht. Morgen geht es ein wenig später los. Abfahrt ist um 9 Uhr.

Daher: Gut’s Nächtle 😉

Route Yining (Gulja) – Urümqi (Urumtschi)

23. Tag

DREHTAG 21

10. November 2006 (China)
Ürümqi (Urumtschi) – Hami (Kumul)   620 km | 4. Etappe
Gesamtkilometer: 12.040 km

Die Stadt ist immer noch im Nebel. Ich glaube der Nebel hier ist für ewig gefangen. Erst ca. 60 km außerhalb der Stadt lichtet sich der Nebel plötzlich und gibt die Sicht auf den Rest des riesigen Windkraftwerk-Felds frei, das wir gerade durchfahren. Von der Dsungarischen Ebene aus fahren wir durch das Tian-Shan Gebirge. Links und Rechts erheben sich gewaltige schneebedeckte Bergspitzen. Als wir dieses passiert haben geht es in die Turpan-Senke. Eines der tiefsten Gebiete der Welt. Dort besuchen wir den Ort Turpan, der mit einer ausgeklügelten Bewässerungstechnik Wein anbaut. Als wir den Kindern ein paar Paris-Beijing-Aufkleber geben, weil sie so neugierig sind reißen sie sie uns förmlich aus den Händen. Zuerst wissen sie noch nicht, dass man sie aufkleben kann. Als der erste das heraus findet kleben die Dinger sofort an T-Shirts und Türen 🙂

Wir drehen auch an einem kleinen Stand mit getrocknetem Obst.
Als Dankeschön wollen wir ein paar Nüsse kaufen und lassen uns übers Ohr hauen 🙁 1 kg Mandeln (so viele wollten wir gar nicht) für 70 Yuan (Das sind knapp 7 €) Als ich der alten Frau den 100 Yuan Schein gebe drückt sie mir noch eine Tüte getrockneter Melonen-Stücke in die Hand und gibt mir die 30 Yuan nicht raus. Da ich noch den Wechselkurs der kasachischen Tenge im Kopf habe denke ich, hey, ist doch egal ist ja nicht viel Geld. Im Auto angekommen wird mir aber klar, gerade 10 Euro für das ganze bezahlt zu haben!!!! Egal. Ist aus der Produktionskasse gewesen.

Wir fahren dann weiter zu der Ruinenstadt Jiaohe. Dort dürfen wir aber leider nicht drehen und fahren weiter. Wir treffen uns mit Thomas im nächsten Ort auf dem Marktplatz. Er und Dieter, der Fotograf der heute mit ihm mitfährt, haben schon einen riesigen Auflauf verursacht. Während ich an der Kamera noch das Objektiv wechsle tauchen mindestens ein dutzend Kinder auf, die alles befingern. Alecs lenkt sie mit Aufklebern ab. Danach entdecken sie, dass Thomas ein paar Meter weiter mit seiner kleinen HDV-Kamera dreht und rennen ihm sofort vor die Linse. Das passt uns gut, denn so kann Alecs in Ruhe mit der großen Kamera die ganze Situation aufnehmen.

Wir fahren weiter zu den Bäzäklik-Höhlen. Diese liegen am Rande der Taklamakan-Wüste und waren Teil eines buddhistischen Klosters. In den Höhlen waren buddhistische Wandmalereien die 1900 von deutschen Forschern entdeckt wurden und nach Berlin in ein Museum gebracht wurden. Dort fielen sie den Bombenangriffen zum Opfer. Übriggeblieben sind ein paar fahle Malereien.

Riesige rötliche Berge und Canyons tun sich auf. Auf der Fahrt von den Höhlen zurück zur Straße drehen wir die E-Klasse von Thomas aus dem Kofferraum. Mit diesem fantastischen Panorama im Hintergrund.

Die restlichen knapp 400 km bis nach Hami (Der chinesische Name. Auf Uigurisch und auf Deutsch: Kumul) führen uns am Rand der Taklamakan-Wüste vorbei. Nur rötliche Sandberge, immer wieder Steppe und freilaufende Kamelhorden. Die Straßen immer gerade aus. Das letzte Teilstück wird sehr zäh.

Immer wieder Orte mit grünen Oasen. Baumwollplantagen und Gebäuden aus Lehmziegeln, von denen es hunderte gibt. Alle leer. Mit nur einer Tür und keinen Fenstern. Wir fragen uns lange wozu sie dienen. Ich denke als Trocknungsräume für Getreide oder ähnliches. Dagegen spricht aber, dass sie zum Teil wahllos nebeneinander stehen, keine Ordnung haben. Nicht wirklich mit dem Auto oder Trecker angefahren werden können. Zum Teil zu dutzenden an Stellen aufgebaut sind, wo weit und breit keine Felder sind. Und am kuriosesten: Sie sind als als erster Stock auf normalen Häusern zu finden und haben eine Tür zu der aber keine Treppe führt. Alles sehr mysteriös.

Nachdem wir einige hundert Kilometer gefahren sind treffen wir auf eine Herde Kamele die ganz nah an der Straße grast. Wir halten an. Als wir aussteigen werden wir vom Wind fast weggefegt, so stark ist er. Den Kamelen macht das nicht aus. Ihr kurzes struppiges Fell weht fröhlich im Wind als wäre es ein kleine Brise 🙂 Wir drehen die Kamelherde und fahren weiter.

Bis wir in Hami (Kumul) angekommen sind ist es dunkel. Vorher haben wir noch den Sonnenuntergang gedreht und uns unseren Kollegen Raphael und David bei der Weiterfahrt angeschlossen. Sobald wir die Stadt erreichen wird es wieder neblig. Eine riesige Dunstglocke aus Autoabgasen und Kohleabgasen der Kraftwerke liegt über der Stadt. Der Geruch ist kaum zu ertragen. Aber so ist es wohl in vielen großen chinesischen Städten.

Nach dem üblichen Tanken gehen wir noch in einen kleinen chinesischen Supermarkt der gegenüber des Hotels ist. Dort kaufen wir das original Red Bull. Es ist in kleinen Dosen wie der Mr. Braun Ice-Coffee bei uns. Die zwei Stiere sind die gleichen und die Dose ist goldfarben. Wir hatten gestern schon zwei Dosen gekauft und heute morgen um 10 Uhr schon getrunken weil wir einfach so müde waren. Danach waren wir 6 Stunden hellwach! Das Zeug wirkt besser als das europäische.

Nach dem Abendessen bin ich jetzt aber trotzdem hundemüde und leg mich jetzt schlafen.

Route Ürümqi (Urumtschi ) – Hami (Kumul)

24. Tag

DREHTAG 22

11. November 2006 (China)
Hami (Kumul) – Jiayuguan   700 km | 4. Etappe
Gesamtkilometer: 12.740 km

Unsere heutige Aufgabe lautet dem ADAC-Auto hinterher zu fahren. Gleich von der Abfahrt an drehen wir die Fahrer des ADAC-Autos und wie sie aus der Stadt Hami herausfahren. Wir überholen sie bei Tempo 120 auf der Landstraße um sie auch mal von vorne zu filmen 😉

Doch das wird zu einem schwierigen Unterfangen, denn als wir aus der Stadt raus sind, erstrecken sich vor uns die ersten Ausläufer der Wüste Gobi. Es weht ein heftiger Wind. Anfangs schaffen wir es noch die E-Klasse zu überholen und ein paar der Service-Fahrzeuge; aber dann war es das schon. Der Gegenwind wird so heftig, dass wir unter Vollgas gerade mal 120 km/h schaffen. Und das auch nur, weil die Automatik unter Volllast im vierten Gang fährt! Unser Verbrauch steigt auf knapp 22l/100km! Kaum sind wir ein paar hundert Kilometer gefahren müssen wir schon unseren Zusatztank aufmachen. Normalerweise öffnen wir das Ventil, das den Zusatztank in den normalen Tank entleert erst immer ganz zum Schluss um die letzten 100 km zu schaffen, aber heute? Der Tag hat noch nicht mal angefangen und schon fahren wir auf Reserve.

Klar, dass die windschnittigere ADAC E-Klasse nicht lange braucht um uns einzuholen 🙁 Das wird nichts mit dem Bild. Die Landschaft um uns herum ändert sich immer blitzartig. Von Wüstensand-Dünen zu schwarzen Felsenhügeln wieder zu Steppe und zurück zum flachen Sandmeer, das zum Horizont reicht. Eine sehr abwechslungsreiche Wüste die Gobi. Immer wieder Siedlungen die von kleinen Sandstürmen heimgesucht werden.

Heute ist eine Options-Route vorgesehen. Man kann entweder die Autobahn direkt zum Hotel fahren. Oder ab einem bestimmten Punkt eine Art Parallel-Route durch die Wüste nehmen. Selbstverständlich wählen alle die Wüstenroute. Es staubt wie blöd als wir mit den E-Klassen und den Geländewagen über die Piste rasen. Alle Nase lang sieht man eins von unseren Teams drehen. Wenn nicht die Einen dann die Anderen. Wir können uns ein bisschen austoben. Die anderen Teams machen viele schöne Bilder von der Umgebung und den Dörfern. Wir haben einen Termin in einem bestimmten Dorf. Ein englischer Journalist muss für eine Präsentation einen Mercedes-Ingenieur Interviewen. Am besten vor einem schönen Hintergrund der klar macht, dass wir in China sind. Außerdem steht noch ein Interview mit dem Fahrer des ADAC-Autos an, dass wir in dem gleichen Ort machen wollen.

Auf dem Weg dorthin fahren wir zusammen mit Thomas. Er hat unsere chinesische Begleiterin bei sich im Auto. Das wird sich später als vorteilhaft erweisen. Immer wieder halten wir an und drehen wie Thomas durchs Bild fährt. Mal über eine Brücke oder durch einen kleinen Sandcanyon bei dem wir komplett vom Sand eingenebelt werden, als Thomas an uns vorbei fährt.

Als wir in besagtem Ort ankommen ist mal wieder die Hölle los. Unzählige Einwohner haben sich um die ersten E-Klassen versammelt und bestaunen die Autos. Es wird schwierig die beiden Interviews auf dem Hauptplatz zu machen, aber das Bild ist einfach großartig. Der erste Hintergrund: das Auto vor einem traditionellem chinesischen Bauwerk. Die Umgebung ist ein bisschen Laut, da mindestens vier dutzend Menschen um uns herum stehen und unserem Treiben zuschauen. Als das erste Interview vorüber ist gehen wir zum ADAC-Auto und interviewen den Fahrer. Sein Großvater war vor 80 Jahren schon mal hier auf einer Expedition mit einem berühmtem China-Erforscher unterwegs. So tritt er quasi in die Fußstapfen seines Großvaters.

Nach dem die Interviews vorbei sind hat Thomas eine Idee! Da wir unsere chinesische Begleiterin Wei Chin dabei haben, will er ein paar Bewohner interviewen. Die Interviews werden sehr skurril. Fast alle die auf dem Platz zugegen sind stellen sich zusammen. Durch Zufall entschließt sich eine von ihnen mit uns zu reden. Wei Chin übersetzt Fragen und Antworten. Ein paar andere trauen sich auch Fragen zu beantworten. Für den Rest der Menge ist es eine sehr lustige Angelegenheit. Wir sind komplett von lebenslustigen Chinesen umzingelt, die zum ersten Mal in Ihrem Leben ein Kamerateam sehen, geschweige denn 36 E-Klassen die von Paris nach Beijing fahren. Wobei die meisten nicht wissen das es Paris überhaupt gibt. Alle sind sehr nett und sehr sehr neugierig. Egal wo wir hingehen folgt uns eine Traube von zwanzig Menschen.

So auch, als Thomas und ich uns von Wei Ching überreden lassen in einem der kleinen Garküchen eine chinesische Nudelsuppe zu essen. Als wir in dem Lokal sitzen und anfangen zu essen schauen zehn paar Augen zu 🙂 Besonders die Kinder sind neugierig und trauen sich ganz nah an uns ran.

Meine erste chinesische Suppe war fantastisch lecker. 10 Yuan (das sind 1 €) für zwei riesige Schüsseln mit Rindfleisch. Die Schüsseln waren so groß, das Thomas und ich sie nicht fertig essen konnten.

Jetzt müssen wir aber wirklich los. Es ist schon wieder so spät und wir haben noch 50 km Piste und 120 km Autobahn vor uns. Nach ein paar Kilometern, treffen wir auf einen Bauern, der mit seinem dreirädrigen Automobil und seiner Ladung Schafe in den Graben gefahren ist. Den Schafen ist nichts passiert. Wir holen unseren Abschleppgurt raus und ziehen das Auto des armen Kerls ohne mühe mit der G-Klasse raus. Nach dem wir nun unsere Gute Tat geleistet haben geht es weiter Richtung Hotel. Der Zusatztank hat noch genug Sprit, da wir inzwischen ja nicht mehr ganz so schnell fahren konnten 😉 Der Gegenwind ist inzwischen auch weg. Nachdem die Wüstenrouten-Option beendet ist, fahren wir wieder auf die Autobahn.

Die Autobahn ist nagelneu. Doch auch sehr gefährlich. Streckenweise liegen noch große Steinplatten für den Ausbau des Mittelstreifens auf der linken Spur! Ab und zu kommt uns ein Geisterfahrer mit einem Mördertempo auf der linken Spur entgegen. Wir erklären uns das so, dass die Autobahn so neu ist, dass manche Auffahrten noch nicht gebaut wurden, und daher die Anwohner falsch herum auf die Strecke fahren und an den immer wiederkehrenden „Wendemöglichkeiten“ (Noch nicht fertiggestellte Leitplanken in der Mitte) dann erst die Spur wechseln können. Auch die Fahrradfahrer und Fußgänger machen es einem bei völliger Dunkelheit nicht einfach. Zum Schluss kommt noch dazu, dass die Autobahn seit dem unser Navigations-Roadbook gemacht worden ist etwas weiter ausgebaut worden ist. Man kann jetzt zwar bis zu einer Mautstation fahren, aber danach geht die Straße nicht weiter! Wir mussten also umdrehen und selbst kurz Geisterfahrer spielen bis wir eine Baustellenausfahrt gefunden haben und quer durchs Gelände zur parallel-führenden Landstraße fahren. Ab da war es dann kein Problem zum Hotel zu finden.

Im Hotel erwartet uns eine nette Überraschung auf den Zimmern. In einer kleinen mit rotem Stoff überzogenen Kiste ist ein Stempel aus Jade mit unseren Namen eingraviert. In Asien ist es ja üblich seinen Namen als Stempel unter Briefe o.ä. zu setzen. So einen Stempel haben wir bekommen. Auf dem sind unser Namen in unserer Schrift und in chinesisch eingraviert. Das passende Stempelkissen mit roter Farbe ist auch dabei 🙂

Ich entschließe mich auf das Hotelessen zu verzichten um mit den Anderen in einer Garküche in der Stadt Abend zu essen. Für uns alle wird es eine spannende Erfahrung. Ohne dass wir uns je mit den Bedienungen hätten verständigen können essen wir in einem kleinen Restaurant, in dem nur chinesisches Fondue gegessen wird. Die Tische haben einen eingebauten Gasbrenner auf den der Kochtopf gestellt wird. Die einzelnen Zutaten holt man sich am Eingang auf Spießen. Von normalem Salat über Pilzen, Süßkartoffeln und Fisch in allen Variationen zu Tofu und diversen Fleischsorten. Das ganze ist extrem rustikal. So ein lokal würde bei uns nach einem Tag sofort wieder schließen müssen. Nichts mit dem zu tun was wir unter einem chinesischen Restaurant im europäischen Sinne verstehen 🙂 Das Essen ist aber sehr lecker und sehr scharf :-0 Wir essen uns zu fünft papp satt und zahlen inklusive vier Flaschen Bier (für die anderen natürlich, nicht für mich 😉 ) ca. 6 €! Zu fünft!!!! Abgerechnet wird indem die Anzahl der Spießstäbchen zusammengezählt wird. Bis jetzt ist mir zum Glück alles bekommen 🙂 Trotz der heutigen Experimente. Ich hoffe das das so bleibt und freue mich auf einen neuen spannenden morgigen Tag.

Route Hami (Kumul) – Jiayuguan

25. Tag

DREHTAG 23

12. November 2006 (China)
Jiayuguan – Lanzhou – 800 km | 4. Etappe
Gesamtkilometer: 13.540 km

Heute ist wieder der letzte Tag einer Etappe. Der vierten Etappe. Das bedeutet, dass wieder ein großes Gruppenfoto aller Teilnehmer geplant ist. Dieses mal geht es zu der Burg, die in der Nähe der Stadt ist. In einer großen Kolonne fahren alle E-Klassen zu dieser Burg. René Metge hat einen Schleichweg gefunden um mit den Autos direkt vor die Burg zu fahren. Bei dem morgendlichen Licht gibt das wieder ein sehr schönes Foto. Selbstverständlich drehen wir die ganze Situation.

Danach geht es auf der Autobahn 250 km schnurgerade-aus . Heute gibt es wieder eine Routen-Option. Der erste Kontakt mit der Chinesischen Mauer. Doch bis dahin sind es einige Kilometer. Als wir die Abzweigung für die Routenoption erreicht haben fahren wir von der Autobahn und sind ab jetzt wieder nur auf kleinen Straßen unterwegs und fahren wieder durch kleine Dörfer. In einem der Dörfer halten wir an um zu filmen wie die E-Klasse durchfährt. Nach der Aufnahme entdecken Thomas und Alecs einen Laden mit Jacken die sie schon seit einiger Zeit unbedingt haben wollten. Wir halten an und eine lustige Einkaufssituation entwickelt sich. Viele Einwohner kommen dazu und bestaunen die beiden wie sie die Jacken anprobieren und kaufen. Beide strahlen wie Honigkuchenpferde als sie mit den gekauften Jacken losziehen.

Einige Kilometer weiter sind wir an der Chinesischen Mauer angekommen. Sie ist hier am letzten noch sichtbaren Ende wirklich nicht so wie man sie aus Bildern oder dem Fernsehen kennt. Es ist eine große Lehmmauer mit immer wiederkehrenden Großen Stümpfen die früher mal Türme waren. Doch es ist beeindruckend zu sehen, dass sie an dieser Stelle bis zum Horizont reicht. Zwar mehr Mäuerchen als Mauer aber klar ersichtlich, dass sie früher hier mal gewesen ist. Wir drehen ein paar Einstellungen. Ich zücke meine Spiegelreflexkamera und mache ein paar schöne Aufnahmen. 
Die Kollegen Rapael, David, Christian und Jens sind auch hier angekommen und drehen auch ein paar Einstellungen an der Mauer. So brauchen wir uns hier nicht zu sehr aufhalten und fahren auch bald weiter.

Unzählige mörderische Schlaglöcher weiter, fahren wir wieder auf die Autobahn. An der neuen Mautstation sind sie über unsere G-Klasse ein bisschen ratlos. Was für ein Gefährt das ist. Als sie mich nach der Anzahl der Sitzplätze fragen (Nur mit dem Wort: Seats?) und ich vier Finger in die Luft strecke schauen sie mich ganz verdutzt an. Ein so großes Auto und nur vier Sitzplätze? Sie erstellen die Magnetkarte für die Mautgebühren und geben sie mir und lassen mich von dannen fahren. Weitere 360 km folgen auf denen wir immer wieder von der Autobahn runter müssen weil sie noch nicht fertig ist. Noch ist Anfangs die Mauer links der Autobahn immer wieder zu sehen. Doch irgendwann entfernen wir uns zu sehr um sie weiterhin zu sehen. Bis wir eine komplett andere Route fahren als die Mauer gebaut ist.

Vor unserem Etappenziel in Lanzhou müssen wir noch einen Pass überqueren. Der Pass befindet sich im Qilian Shan Gebirge und ist 2.970 Höhenmeter hoch. Wir halten an und machen ein paar Filmaufnahmen. Hier oben ist es knapp 3°C warm oder kalt, wie man es nimmt. Ich hole wieder meine dicke Carhardt-Jacke raus die mir auf dieser Reise schon gute Dienste geleistet hat. Alecs und Thomas ziehen ihre neuen Militär-Jacken an die sie heute gekauft haben. Nach dieser kleinen Pause geht es weiter. Noch 100 km in die Nacht hinein und wir kommen endlich an. Da die Etappe nun vorüber ist, holen wir uns noch einige Sound-Bites (Interviews). Als wir endlich dazu kommen das Auto auszuladen, stehen mindestens 3 Angestellte des Hotels und stressen uns das Auto erstens wieder direkt an die Wand zurück zu fahren, damit es genau in den Markierungen steht und bringen einen Gepäckwagen nach dem anderen um das Equipment wegzubringen. Obwohl wir schon einen Wagen haben und erst mal das Equipment wieder in Ordnung bringen müssen. Heute sind die wirklich nervtötend und Alecs und ich müssen die zusammenscheißen, damit sie endlich die Finger vom Gepäck lassen bis wir soweit sind und uns endlich in Ruhe lassen. Service ist ja das eine aber hier wird man zum zu Tode geserviced.

Das heutige Abendessen ist leider nicht so doll. Das Sushi ist trocken und Reis sucht man vergebens. Das einzig Gute, ist der Hägen-Dazs-Kühler der zur freien Verfügung steht. Hägen-Dazs-Eis all you can eat 🙂

Morgen ist wieder ein Off-Day. Das Einzige, das wir machen müssen, ist unsere Gepäckanzahl und das Gewicht angeben für den Rückflug. Die Vorbereitung für den Rückflug sind in vollem Gange. Voraussichtlich fliegen wir am 19. November über Amsterdam nach Stuttgart, Businessclass.

Route Jiayuguan – Lanzhou

26. Tag

RUHETAG

13. November 2006 (China)
Lanzhou
Gesamtkilometer: 13.540 km

Heute habe ich mal wieder ausschlafen können. Nachdem wir die Gepäckanzahl und das Gewicht geklärt hatten sind Alecs und ich ein bisschen in Lanzhou herumgelaufen. Wir wurden von den anderen wie Aliens angeschaut. Aber es war witzig durch all die kleinen Gassen zu laufen. An all den Garküchen vorbei und den kleinen Geschäften.

In einem Supermarkt, in dem wahrscheinlich nur die reichen Einwohner einkaufen können, haben wir unseren Red Bull Vorrat aufgefrischt 🙂

An der Lanzhou’schen Fifth-Avenue vorbei (Ich nenne sie so, weil hier nur Edel-Boutiquen sind) sind wir wieder Richtung Hotel zurück gelaufen. Angekommen treffe ich Wei Ching, die mir endlich meinen chinesischen Führerschein überreicht 🙂

Heute Abend müssen wir nun doch drehen 🙁
Die Schlüsselübergabe der bisherigenTeilnehmer an die neuen muss auf Video gebannt werden. Wird wohl nichts mit dem kompletten „Off-Day“.

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